Britischer Gin ist deutlich vielfältiger als die Bezeichnung «London Dry» vermuten lässt. Neben klassischen wacholderbetonten London Dry Gins entstehen in Grossbritannien süsslicher wirkende Old-Tom-Stile, besonders kräftige Navy-Strength-Abfüllungen, moderne Zitrus- und Botanical-Gins sowie Gins, die bewusst weniger klassisch und stärker floral oder fruchtig ausfallen.
Ein besonders häufiges Missverständnis betrifft den Namen London Dry Gin: Ein solcher Gin muss nicht in London hergestellt werden. «London Gin» bezeichnet nach dem europäischen Spirituosenrecht eine bestimmte Herstellungsart innerhalb der Kategorie Distilled Gin und keine geografische Herkunft. Ein Gin aus Spanien oder einem anderen Land kann deshalb grundsätzlich ebenfalls als London Gin beziehungsweise London Dry Gin verkauft werden, wenn er die entsprechenden Produktionsvorgaben erfüllt.
Umgekehrt ist nicht jeder Gin aus England oder Grossbritannien automatisch ein London Dry Gin. Auf dem Etikett können beispielsweise Gin, Distilled Gin, London Dry Gin, Old Tom oder Navy Strength stehen. Manche dieser Begriffe sind gesetzlich klar geregelt, andere beschreiben historische oder heute übliche Stilrichtungen.
Wer aktuelle Flaschen, Grössen und Angebote vergleichen möchte, findet in unserer Kategorie Gin-Angebote und Preise. Für einen gezielteren Herkunftsvergleich gibt es zudem eine Übersicht mit Gin und weiteren Spirituosen aus Grossbritannien.
Britischer Gin richtig auswählen: London Dry, Old Tom, Navy Strength und Botanicals verstehen
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Bezeichnung | Was sie bedeutet | Typischer Geschmack | Gut geeignet für |
|---|---|---|---|
| Gin | Gesetzlich definierte Wacholderspirituose mit mindestens 37,5 % vol. | Von klassisch wacholderbetont bis deutlich floral oder zitrisch | Gin Tonic, Longdrinks und unkomplizierte Cocktails |
| Distilled Gin | Gin, bei dem Wacholder und weitere Botanicals gemeinsam mit Alkohol destilliert werden | Meist klarer und integrierter Botanical-Charakter | Gin Tonic, Martini, Gimlet und Cocktails |
| London Dry Gin | Besonders streng geregelte Form des Distilled Gin; keine geografische Herkunftsbezeichnung | Trocken, klar, häufig deutlich nach Wacholder, Zitrus und Gewürzen | Dry Martini, Gin Tonic, Negroni und klassische Drinks |
| Old Tom Gin | Historischer Gin-Stil ohne einheitliche moderne gesetzliche Definition | Häufig runder, weicher und etwas süsser als klassischer London Dry | Tom Collins, Martinez und historische Cocktails |
| Navy Strength Gin | Traditioneller Marktbegriff für besonders hochprozentigen Gin, häufig um 57 % vol. | Intensiv, kräftig und aromatisch konzentriert | Gimlet, Pink Gin und kräftige Cocktails |
| Flavoured Gin | Gin mit deutlich hervorgehobenen zusätzlichen Aromen | Je nach Produkt Zitrus, Beeren, Blüten, Gewürze oder tropische Früchte | Gin Tonic und moderne Longdrinks |
Die Bezeichnungen sollten nicht als Qualitätsrangliste verstanden werden. Ein Old Tom ist nicht besser oder schlechter als ein London Dry und ein Navy Strength ist nicht automatisch hochwertiger, weil er mehr Alkohol enthält. Entscheidend ist, welcher Stil für den gewünschten Drink und den persönlichen Geschmack geeignet ist.
Was ist Gin eigentlich?
Gin gehört zu den mit Wacholder aromatisierten Spirituosen. Das prägende Aroma muss von Wacholderbeeren stammen. Weitere sogenannte Botanicals dürfen die Aromatik ergänzen.
Zu den häufig verwendeten Botanicals gehören:
- Wacholder: harzig, waldig, würzig und leicht zitrisch – das zentrale Gin-Aroma.
- Koriandersamen: zitrisch, würzig und teilweise pfeffrig.
- Angelikawurzel: erdig und trocken; kann andere Aromen miteinander verbinden.
- Orriswurzel: floral und erdig, häufig eher als strukturierendes Botanical eingesetzt.
- Zitronen- und Orangenschalen: sorgen für Frische und klarere Zitrusaromen.
- Lakritze: kann Süsse, Würze und ein runderes Mundgefühl vermitteln.
- Kardamom: intensiv würzig und leicht ätherisch.
- Zimt und Cassia: warme, süsslich wirkende Gewürznoten.
- Gurke, Blüten oder Beeren: typisch für viele modernere Gin-Stile.
Die Zahl der Botanicals sagt wenig über die Qualität aus. Ein Gin mit vier präzise abgestimmten Zutaten kann komplexer wirken als ein Produkt mit zwanzig oder dreissig Botanicals.
Gin, Distilled Gin und London Gin: die gesetzlichen Unterschiede
Gin
Die Grundkategorie Gin muss auf Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs basieren und mit Wacholder aromatisiert werden. Der Wacholdergeschmack muss erkennbar dominieren. Für Gin gilt eine Mindestalkoholstärke von 37,5 % vol.
Weitere natürliche oder zugelassene Aromastoffe dürfen verwendet werden. Dadurch ist die Grundkategorie relativ flexibel und umfasst sehr unterschiedliche Produkte.
Distilled Gin
Distilled Gin besitzt strengere Herstellungsanforderungen. Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs wird mit Wacholder und weiteren natürlichen Botanicals destilliert. Auch hier muss der Wacholdercharakter im fertigen Getränk prägend bleiben.
Nach der Destillation sind innerhalb der gesetzlichen Grenzen weitere Verarbeitungsschritte möglich. Deshalb sagt die Bezeichnung Distilled Gin zwar mehr über die Herstellung aus als das Wort Gin allein, beschreibt aber weiterhin keine feste Geschmacksrichtung.
London Gin und London Dry Gin
London Gin ist wiederum eine besondere Form des Distilled Gin. Das Verfahren ist stärker eingeschränkt: Die aromatisierenden pflanzlichen Stoffe werden gemeinsam destilliert, nachträgliche Aromatisierung ist stark begrenzt und zusätzliche Farbe ist für den klassischen London-Gin-Stil nicht vorgesehen.
Die Bezeichnung darf mit «Dry» kombiniert werden. Dadurch entstand der weltweit bekannte Begriff London Dry Gin.
Für Käuferinnen und Käufer ist vor allem wichtig:
- London Dry bezeichnet eine Herstellungsweise: Der Gin muss nicht in London produziert werden.
- Wacholder bleibt zentral: Zitrus, Koriander und Gewürze dürfen deutlich wahrnehmbar sein, sollten den Gin aber nicht in eine völlig andere Spirituosenrichtung verwandeln.
- Der Stil ist trocken: London Dry ist nicht auf eine deutlich süsse Geschmackswirkung ausgelegt.
- London Dry ist keine Qualitätsgarantie: Produktionsqualität, Botanicals, Alkoholbasis und Balance unterscheiden sich erheblich.
Britischer Gin und London Dry sind nicht dasselbe
«Britischer Gin» beschreibt zunächst die Herkunft aus Grossbritannien. Darunter fallen Gins aus England, Schottland und Wales. London Dry Gin beschreibt dagegen das Produktionsverfahren.
Dadurch sind vier unterschiedliche Kombinationen möglich:
- Britischer London Dry Gin: beispielsweise klassische englische Gins im traditionellen trockenen Stil.
- Britischer Gin ohne London-Dry-Bezeichnung: etwa floralere, stärker aromatisierte oder anders produzierte Gins.
- London Dry Gin ausserhalb Grossbritanniens: möglich, sofern die vorgeschriebenen Herstellungsbedingungen erfüllt werden.
- Old Tom oder Navy Strength aus Grossbritannien: traditionelle britische Stilrichtungen, die nicht mit London Dry gleichgesetzt werden sollten.
Auch «English Gin» und «British Gin» sind nicht vollständig identisch. Ein Gin aus Schottland ist britisch, aber nicht englisch. Hendrick’s beispielsweise stammt aus Schottland, während Hayman’s, Beefeater oder Sipsmith englische Gins sind.
Wie schmeckt klassischer britischer London Dry Gin?
Ein klassischer London Dry Gin stellt Wacholder in den Vordergrund. Häufig folgen Zitrusschalen, Koriandersamen, Angelika und weitere Gewürze.
Typische Aromeneindrücke sind:
- Wacholder und Nadelwald,
- Zitrone und Orangenschale,
- Koriander,
- Pfeffer und trockene Gewürze,
- erdige Wurzeln und
- ein trockener, sauberer Abgang.
Das bedeutet nicht, dass alle London Dry Gins gleich schmecken. Tanqueray setzt andere Schwerpunkte als Beefeater, Hayman’s, Sipsmith, Bombay Sapphire oder No. 3 London Dry Gin.
Ein Gin kann trotz derselben gesetzlichen Kategorie deutlich zitrischer, würziger, erdiger oder wacholderbetonter wirken.
Hayman’s, Tanqueray, Beefeater und Sipsmith einordnen
Mehrere britische Marken tauchen im aktuellen Angebot von weinonaut.ch in unterschiedlichen Stilrichtungen auf. Die Markennamen allein sind jedoch keine Geschmackskategorien.
Hayman’s
Hayman’s ist besonders interessant, weil das Haus mehrere historische englische Gin-Stile parallel pflegt. Dazu gehören London Dry Gin, Old Tom Gin und Royal Dock Navy Strength.
Damit lässt sich innerhalb eines Produzenten gut nachvollziehen, wie stark Alkoholgehalt, Süsse und historische Stilidee den Charakter eines Gins verändern können.
Tanqueray
Tanqueray steht vor allem für einen klassischen wacholderbetonten London-Dry-Stil. Daneben existieren Varianten wie Nº Ten, Rangpur oder Flor de Sevilla mit anderen aromatischen Schwerpunkten.
Die Bezeichnung Tanqueray allein reicht daher nicht zur Geschmacksbestimmung. Ein klassischer London Dry und eine zitrus- beziehungsweise fruchtbetonte Variante können sich deutlich unterscheiden.
Beefeater
Beefeater ist ebenfalls eng mit London Dry Gin verbunden. Unterschiedliche Linien wie der klassische Beefeater und Beefeater 24 verwenden jedoch unterschiedliche Botanical-Schwerpunkte.
Sipsmith
Sipsmith gehört zur jüngeren Welle handwerklich positionierter Londoner Gin-Destillerien. Auch hier stehen Wacholder und klassische Botanicals im Mittelpunkt, wobei einzelne Abfüllungen deutlich unterschiedliche Stärken oder Aromatisierungen besitzen können.
Was ist Old Tom Gin?
Old Tom ist ein historischer Gin-Stil, der geschmacklich häufig zwischen dem malzigeren Genever und dem trockenen London Dry eingeordnet wird.
Eine moderne, weltweit einheitliche gesetzliche Definition gibt es dafür nicht. Deshalb können sich zwei Old Tom Gins erheblich unterscheiden.
Häufige Eigenschaften sind:
- etwas mehr wahrgenommene Süsse als bei London Dry,
- runderes Mundgefühl,
- deutlicher Wacholder,
- Zitrus und Gewürze,
- teilweise Lagerung oder Reifung in Holz sowie
- ein Stil, der sich besonders für historische Cocktails eignet.
Ist Old Tom süsser als London Dry?
Meist ja, aber nicht jeder Old Tom ist ausgesprochen süss. Die Kategorie ist stilistisch breit. Manche Produzenten arbeiten nur mit einer leichten Abrundung, andere erzeugen deutlich vollere und süssere Interpretationen.
Wofür verwendet man Old Tom Gin?
Old Tom eignet sich besonders für Drinks, bei denen ein sehr trockener London Dry zu kantig wirken könnte.
Klassische Einsatzmöglichkeiten sind:
- Tom Collins,
- Martinez,
- Gin Punch sowie
- Gin Tonic mit einem eher trockenen Tonic.
Was bedeutet Navy Strength Gin?
Navy Strength ist keine eigenständige gesetzliche Gin-Kategorie wie London Gin. Der Begriff beschreibt traditionell besonders hochprozentige Abfüllungen.
Viele Navy-Strength-Gins liegen um 57 % vol. oder leicht darüber. Ein Beispiel im britischen Stil ist Hayman’s Royal Dock mit 57 % vol.
Der hohe Alkoholgehalt erfüllt zwei Funktionen: Er macht den Gin deutlich kräftiger und trägt gleichzeitig mehr Aromastoffe aus den Botanicals.
Schmeckt Navy Strength nur nach Alkohol?
Ein schlecht balancierter Gin kann scharf wirken. Bei einem gelungenen Navy Strength sollten jedoch Wacholder, Zitrus, Gewürze und andere Botanicals trotz des hohen Alkoholgehalts klar erkennbar bleiben.
Pur ist dieser Stil für viele Personen sehr intensiv. In Cocktails kann die höhere Stärke dagegen von Vorteil sein, weil der Gin auch nach Zugabe von Eis, Zitrussaft oder anderen Zutaten aromatisch präsent bleibt.
Welche Drinks passen zu Navy Strength?
- Gimlet: Die hohe Gin-Stärke hält gegen Limette und Verdünnung stand.
- Pink Gin: Historisch eng mit britischer Marine- und Gin-Tradition verbunden.
- Martini: Für Personen, die einen sehr intensiven, trockenen Gin-Charakter suchen.
- Gin Tonic: Funktioniert ebenfalls, verlangt aber meist ein angepasstes Mischverhältnis.
Wegen des deutlich höheren Alkoholgehalts sollte Navy Strength besonders bewusst dosiert werden.
Dry Gin oder London Dry Gin?
Die Begriffe sehen ähnlich aus, sollten beim Einkauf aber nicht unkritisch gleichgesetzt werden.
London Gin beziehungsweise London Dry Gin ist eine klar geregelte Unterkategorie des Distilled Gin. Ein blosses «Dry» auf einem Gin-Etikett sagt dagegen vor allem aus, dass der Produzent einen trockenen Stil hervorheben möchte beziehungsweise die dafür geltenden Süssungsregeln einhält.
Wer die Herstellungsweise möglichst genau nachvollziehen möchte, sollte deshalb auf die vollständige gesetzliche Verkehrsbezeichnung und nicht nur auf ein grosses «Dry» im Markennamen achten.
Was ist mit Pink Gin, Citrus Gin und anderen Flavoured Gins?
Moderne Gins können Erdbeere, Orange, Grapefruit, Gurke, Blüten, Tee, exotische Früchte oder Gewürze besonders stark in den Vordergrund stellen.
Das muss kein Qualitätsnachteil sein. Entscheidend ist, ob der Wacholdercharakter noch zur gesetzlichen Gin-Kategorie passt und ob zusätzliche Aromen harmonisch integriert sind.
Bei stark fruchtigen Produkten sollte das Etikett besonders genau gelesen werden. Ein Produkt mit Gin-Geschmack kann rechtlich auch ein Likör oder eine andere Spirituose sein.
Ist farbiger Gin automatisch künstlich aromatisiert?
Nein. Farbe kann aus natürlichen Zutaten oder zulässigen Verarbeitungsschritten stammen. Die konkrete Kennzeichnung und Zutateninformation ist entscheidend.
Bei London Gin gelten strengere Anforderungen als bei der allgemeineren Gin-Kategorie. Gerade deshalb sollte eine bunte Flasche nicht automatisch als London Dry interpretiert werden.
Welche Botanicals passen zu welchem Geschmack?
| Gesuchter Geschmack | Botanicals und Stilhinweise |
|---|---|
| Klassisch und trocken | Wacholder, Koriander, Angelika und Zitrusschale |
| Zitrisch und frisch | Zitrone, Grapefruit, Orange, Limette oder Rangpur |
| Floral | Holunderblüte, Rose, Veilchen oder andere Blüten |
| Würzig | Kardamom, Pfeffer, Cassia, Zimt oder Muskat |
| Erdig und trocken | Angelikawurzel, Orriswurzel und kräftiger Wacholder |
| Fruchtig | Beeren, Orange oder andere Früchte; Etikett auf zusätzlichen Zucker und Produktkategorie prüfen |
| Kräftig und konzentriert | Navy Strength beziehungsweise höhere Alkoholstärke |
| Rund und historisch | Old Tom mit leichterer Süsse und klassischer Botanical-Aromatik |
Welcher Gin eignet sich für Gin Tonic?
Für Gin Tonic gibt es nicht den einen richtigen Gin. Entscheidend ist die Kombination aus Gin, Tonic, Eis und Garnitur.
Klassischer London Dry
Ein klassischer London Dry funktioniert besonders gut mit neutralem oder trockenem Tonic. Wacholder und Zitrus bleiben klar erkennbar.
Zitrusbetonter Gin
Ein Gin mit Orange, Grapefruit oder Limette kann mit einem zurückhaltenden Tonic harmonieren. Ein stark aromatisiertes Tonic kann die Zitrusnoten unnötig überdecken.
Floraler Gin
Florale Gins reagieren empfindlicher auf sehr bittere oder stark gewürzte Tonics. Ein eher neutrales Tonic lässt die Botanicals deutlicher hervortreten.
Navy Strength
Bei einem Gin mit rund 57 % vol. kann mehr Tonic notwendig sein als bei einer klassischen 40- bis 43-prozentigen Abfüllung. Das Mischverhältnis sollte nach Geschmack angepasst werden.
Welcher Gin eignet sich für Martini, Negroni und Gimlet?
| Drink | Geeigneter Gin-Stil | Warum? |
|---|---|---|
| Dry Martini | London Dry oder kräftiger Distilled Gin | Wacholder, Zitrus und trockene Gewürze bleiben klar erkennbar |
| Negroni | Kräftiger London Dry | Der Gin muss gegen Bitter und Wermut aromatisch bestehen können |
| Gimlet | London Dry oder Navy Strength | Wacholder und Alkoholstruktur halten gegen Limette und Verdünnung |
| Tom Collins | Old Tom oder klassischer Dry Gin | Old Tom bringt einen runderen historischen Stil |
| Martinez | Old Tom | Der etwas weichere Gin harmoniert mit süssem Wermut |
| Gin Tonic | Fast jeder Gin-Stil | Tonic und Garnitur müssen zum Botanical-Profil passen |
Britischen Gin nach Geschmack auswählen
| Vorliebe | Passender Ausgangspunkt |
|---|---|
| Sehr trocken und klassisch | London Dry Gin mit Wacholder, Koriander und Zitrus |
| Wacholderbetont | Klassischer britischer Dry Gin mit wenigen traditionellen Botanicals |
| Zitrisch | Gin mit Grapefruit, Orange, Limette oder ausgeprägter Zitronenschale |
| Weicher und runder | Old Tom oder moderater Distilled Gin |
| Sehr intensiv | Navy Strength oder andere hochprozentige Abfüllung |
| Floral | Moderner Botanical Gin mit Blüten und zurückhaltendem Wacholder |
| Fruchtig | Flavoured Gin; auf tatsächliche Produktkategorie und Süsse achten |
| Für klassische Cocktails | London Dry, Old Tom oder Navy Strength je nach Rezept |
Gin-Preise richtig vergleichen
Die Suchanfragen zu Gin zeigen häufig eine starke Preis- und Aktionsorientierung. Dabei führen unterschiedliche Flaschengrössen schnell zu falschen Vergleichen.
Besonders häufig sind:
- 50-cl-Flaschen,
- 70-cl-Flaschen,
- 75-cl-Flaschen und
- 1-Liter-Flaschen.
Ein Gin für 32 CHF in einer 1-Liter-Flasche ist pro Liter deutlich günstiger als ein Gin für 30 CHF mit 70 cl. Der reine Flaschenpreis ist daher kein sinnvoller Vergleichsmassstab.
70-cl-Preis als Vergleichsbasis
Für einen einfachen Vergleich können unterschiedliche Flaschen rechnerisch auf 70 cl umgerechnet werden.
Beispiel: Kostet eine 1-Liter-Flasche 35 CHF, entspricht das einem rechnerischen 70-cl-Preis von 24,50 CHF.
Die Rechnung lautet:
Flaschenpreis ÷ Inhalt in cl × 70
Damit lassen sich 50-cl-, 70-cl- und 1-Liter-Flaschen deutlich besser vergleichen.
Warum kostet ein Gin 20 CHF und ein anderer 50 CHF oder mehr?
Der Preis kann von vielen Faktoren abhängen:
- Alkoholstärke: Ein Navy Strength benötigt mehr Alkohol je Flasche und kann dadurch höhere Abgaben und Produktionskosten verursachen.
- Botanicals: Frische Zitrusschalen, seltene Gewürze oder aufwendige Zutaten können teurer sein.
- Destillation: Kleine Chargen und zusätzliche Destillationsschritte erhöhen häufig die Kosten.
- Produktionsmenge: Kleine Destillerien verteilen fixe Kosten auf weniger Flaschen.
- Flasche und Verpackung: Aufwendiges Glas und Geschenkboxen können einen erheblichen Teil des Preises ausmachen.
- Marke: Bekanntheit, Marketing und internationale Nachfrage beeinflussen den Verkaufspreis.
- Import und Logistik: Transport, Lagerung und Vertrieb bis in die Schweiz wirken sich ebenfalls aus.
- Aktionen: Derselbe Gin kann je nach Händler und Zeitpunkt deutlich unterschiedliche Preise haben.
Ein höherer Preis bedeutet deshalb nicht automatisch einen besseren Gin. Für einen Gin Tonic kann ein sauberer klassischer London Dry im mittleren Preisbereich besser funktionieren als eine sehr teure, komplexe Spezialabfüllung.
Gin in Aktion kaufen: worauf achten?
Ein rabattierter Gin kann attraktiv sein, sollte aber nicht allein anhand des angegebenen Prozentnachlasses ausgewählt werden.
Vor dem Kauf lohnt sich die Prüfung von:
- Flaschengrösse: 70 cl und 1 Liter nicht direkt vergleichen.
- Alkoholgehalt: Standard-Gin und Navy Strength sind unterschiedliche Produkte.
- Variante: Tanqueray London Dry, Nº Ten und Rangpur sind nicht dieselbe Abfüllung.
- Originalpreis: Entscheidend ist der tatsächliche Endpreis im Marktvergleich.
- Versandkosten: Ein günstiger Flaschenpreis kann durch Versand relativiert werden.
- Geplanter Drink: Ein stark aromatisierter Gin ist nicht für jedes Cocktailrezept die beste Wahl.
Aktuelle Preisunterschiede und Aktionen können direkt in unserer Übersicht für Gin in unterschiedlichen Stilrichtungen und Flaschengrössen verglichen werden.
70 cl oder 1 Liter Gin?
70 cl ist bei vielen Premium-Gins das verbreitete Standardformat. Klassiker werden teilweise zusätzlich in 1-Liter-Flaschen angeboten.
70 cl eignet sich besonders für
- das Kennenlernen eines neuen Gins,
- kleinere Haushalte,
- hochpreisige Spezialabfüllungen und
- mehrere unterschiedliche Gins in einer Hausbar.
1 Liter eignet sich besonders für
- regelmässig verwendete Standard-Gins,
- grössere Gin-Tonic-Abende,
- Cocktails für mehrere Gäste und
- Produkte, bei denen der Literpreis deutlich günstiger ist.
Eine grössere Flasche ist nur dann wirtschaftlicher, wenn der Gin tatsächlich verwendet wird und der Preis pro Liter niedriger ist.
Wie viel Gin für Gin Tonic?
Das Mischverhältnis ist Geschmackssache und hängt stark von Gin und Tonic ab. Als Orientierung funktionieren häufig ungefähr ein Teil Gin auf zwei bis drei Teile Tonic.
Ein kräftiger Navy Strength benötigt häufig mehr Tonic beziehungsweise eine kleinere Gin-Menge. Ein feiner, aromatischer Gin kann durch zu viel Tonic dagegen stark verdünnt werden.
Wichtig ist ausreichend Eis. Viel Eis lässt einen Drink nicht automatisch stärker verwässern: Eine grosse Menge gut gefrorener Eiswürfel hält das Getränk schneller kalt und schmilzt häufig langsamer als wenige kleine Würfel.
Welche Garnitur gehört in den Gin Tonic?
Die Garnitur sollte vorhandene Botanicals unterstützen und nicht den gesamten Drink überdecken.
| Gin-Stil | Sinnvolle Garnitur |
|---|---|
| Klassischer London Dry | Zitronen- oder Orangenzeste |
| Zitrusbetonter Gin | Grapefruit-, Limetten- oder Orangenzeste |
| Floraler Gin | Zurückhaltende Zitronenzeste oder möglichst wenig Garnitur |
| Würziger Gin | Orangenzeste oder ein passendes einzelnes Gewürz |
| Old Tom | Zitrone oder Orange |
| Navy Strength | Zitruszeste; keine überladene Garnitur nötig |
Mehr Zutaten bedeuten nicht automatisch einen besseren Gin Tonic. Rosmarinzweige, Gurke, Pfeffer, Beeren und mehrere Zitrusfrüchte gleichzeitig können die eigentliche Gin-Aromatik vollständig überdecken.
Wie sollte Gin gelagert werden?
Gin benötigt nach dem Kauf keine weitere Reifung. Anders als Wein entwickelt er sich in einer verschlossenen Flasche normalerweise nicht positiv durch jahrelange Lagerung.
Für die Aufbewahrung gelten einfache Regeln:
- Flasche aufrecht lagern,
- gut verschliessen,
- vor direkter Sonne schützen,
- starke Hitze vermeiden und
- bei geöffneten Flaschen unnötig grossen Luftraum über viele Jahre vermeiden.
Der hohe Alkoholgehalt macht Gin mikrobiologisch sehr stabil. Nach dem Öffnen verliert er normalerweise nicht innerhalb weniger Wochen seine Qualität. Über lange Zeit können jedoch besonders flüchtige Zitrus- und Botanical-Aromen schwächer werden.
Muss Gin in den Kühlschrank?
Nein. Normaler Gin muss nicht gekühlt gelagert werden. Ein dunkler Schrank bei stabiler Raumtemperatur ist ausreichend.
Für Drinks kann die Flasche kurzfristig gekühlt werden. Eine dauerhafte Lagerung im Gefrierfach ist ebenfalls nicht notwendig, wird für einzelne Cocktails aber bewusst eingesetzt.
Britischen Gin kaufen: Checkliste
- Herkunft prüfen: Wird tatsächlich ein Gin aus Grossbritannien gesucht oder nur ein London Dry?
- Stil lesen: Gin, Distilled Gin, London Dry, Old Tom oder Navy Strength?
- Alkoholgehalt beachten: 40 % und 57 % vol. ergeben sehr unterschiedliche Drinks.
- Botanicals prüfen: Wacholder, Zitrus, Blüten oder Gewürze?
- Verwendungszweck bestimmen: Gin Tonic, Martini, Negroni, Collins oder pur?
- Flaschengrösse vergleichen: 70 cl und 1 Liter auf denselben Mengenpreis umrechnen.
- Aktionen sinnvoll prüfen: Endpreis statt Rabattprozent vergleichen.
- Keine Markenvarianten verwechseln: Eine Marke kann mehrere völlig unterschiedliche Gins anbieten.
- Old Tom nicht als schlechten London Dry beurteilen: Die zusätzliche Rundheit gehört zum Stil.
- Navy Strength nicht nur nach Prozent auswählen: Balance und Botanical-Intensität bleiben entscheidend.
Häufige Fehler beim Gin-Kauf
- London Dry für eine Herkunftsbezeichnung halten: Der Gin muss nicht in London hergestellt werden.
- Britisch und englisch gleichsetzen: Schottischer oder walisischer Gin ist ebenfalls britisch.
- Jeden Gin für Distilled Gin halten: Die gesetzlichen Kategorien besitzen unterschiedliche Herstellungsanforderungen.
- Old Tom für minderwertigen süssen Gin halten: Es handelt sich um einen historischen eigenständigen Stil.
- Navy Strength als gesetzlich geschützte Kategorie verstehen: Der Begriff wird traditionell für besonders hochprozentige Gins verwendet.
- Nur die Zahl der Botanicals vergleichen: Balance ist wichtiger als die Anzahl der Zutaten.
- Den günstigsten Flaschenpreis wählen: Inhalt in cl und Preis pro Liter berücksichtigen.
- 1-Liter- und 70-cl-Flaschen direkt vergleichen: Die Mengen unterscheiden sich um fast 43 Prozent.
- Gin Tonic mit zu vielen Garnituren überladen: Das kann die eigentlichen Botanicals verdecken.
- Sehr aromatisches Tonic mit komplexem Gin kombinieren: Beide Komponenten können miteinander konkurrieren.
- Gin zu warm und mit wenig Eis servieren: Der Drink verwässert schneller und Alkohol tritt stärker hervor.
Häufige Fragen zu britischem Gin
Was ist britischer Gin?
Britischer Gin ist Gin, der in Grossbritannien hergestellt wird. Der Begriff umfasst unter anderem englische, schottische und walisische Gins.
Was ist London Dry Gin?
London Dry Gin ist eine streng geregelte Herstellungsform des Distilled Gin. Wacholder und weitere Botanicals werden gemeinsam destilliert und nachträgliche Aromatisierung ist stark eingeschränkt.
Muss London Dry Gin aus London kommen?
Nein. London Gin bezeichnet eine Herstellungsart und keine geschützte geografische Herkunft. Ein London Dry Gin kann deshalb auch ausserhalb Londons oder Grossbritanniens produziert werden.
Ist jeder britische Gin ein London Dry?
Nein. In Grossbritannien entstehen auch andere Distilled Gins, Old Tom, Navy Strength und stark aromatisierte Gin-Stile.
Was ist der Unterschied zwischen Gin und Distilled Gin?
Bei Distilled Gin werden Wacholder und andere natürliche Botanicals mit Alkohol destilliert. Die allgemeinere Kategorie Gin lässt mehr Möglichkeiten für die Aromatisierung zu.
Wie viel Alkohol muss Gin haben?
Gin, Distilled Gin und London Gin müssen nach den europäischen Kategorien mindestens 37,5 % vol. Alkohol besitzen.
Was ist Old Tom Gin?
Old Tom ist ein historischer Gin-Stil, der häufig runder und etwas süsser als klassischer London Dry schmeckt. Es besteht keine weltweit einheitliche moderne gesetzliche Definition.
Was ist Navy Strength Gin?
Navy Strength bezeichnet besonders hochprozentigen Gin. Viele klassische Abfüllungen liegen bei ungefähr 57 % vol.
Ist Navy Strength gesetzlich definiert?
Nicht als eigenständige Gin-Kategorie wie London Gin. Die genaue Verwendung des Begriffs folgt vor allem historischer und kommerzieller Tradition.
Was ist Hayman’s Gin?
Hayman’s ist eine englische Gin-Destillerie beziehungsweise Marke, die unter anderem London Dry Gin, Old Tom und Royal Dock Navy Strength erzeugt.
Was ist der Unterschied zwischen Hayman’s London Dry und Old Tom?
London Dry ist trockener und stärker auf einen klassischen Wacholder-Zitrus-Stil ausgerichtet. Old Tom wirkt üblicherweise runder und etwas süsser.
Was ist Hayman’s Royal Dock?
Royal Dock ist der Navy-Strength-Gin von Hayman’s und wird mit 57 % vol. abgefüllt.
Ist Tanqueray britischer Gin?
Tanqueray gehört zu den bekannten britischen Gin-Marken. Neben dem klassischen London Dry existieren verschiedene aromatisch anders ausgerichtete Varianten.
Ist Hendrick’s englischer Gin?
Nein. Hendrick’s wird in Schottland hergestellt. Er ist damit britischer, aber nicht englischer Gin.
Ist Bombay Sapphire ein London Dry Gin?
Bombay Sapphire gehört zum London-Dry-Stil. Der Begriff London Dry beschreibt dabei die Produktionsmethode und nicht den Herstellungsort London.
Welcher Gin ist besonders wacholderbetont?
Klassische London Dry Gins sind ein guter Ausgangspunkt. Die konkrete Wacholderintensität unterscheidet sich jedoch zwischen Produzenten.
Welcher Gin ist eher weich und süsslich?
Old Tom ist häufig runder und etwas süsser als klassischer London Dry. Auch manche fruchtbetonten moderne Gins können süsser wirken.
Welcher Gin ist für Gin Tonic geeignet?
Nahezu jeder Gin kann mit Tonic kombiniert werden. Wichtig ist, dass Tonic und Garnitur den Botanical-Stil ergänzen statt überdecken.
Welcher Gin eignet sich für einen Martini?
Ein trockener und wacholderbetonter London Dry ist die klassische Wahl. Für einen besonders kräftigen Martini kann auch ein höherprozentiger Gin funktionieren.
Welcher Gin eignet sich für Negroni?
Ein aromatisch kräftiger London Dry funktioniert häufig besonders gut, da er gegen Bitterlikör und Wermut bestehen muss.
Warum kostet Gin unterschiedlich viel?
Botanicals, Alkoholstärke, Destillation, Produktionsmenge, Flasche, Marke, Transport und Handel beeinflussen den Preis.
Wie vergleicht man Gin-Preise richtig?
Am besten werden unterschiedliche Flaschengrössen auf denselben Inhalt umgerechnet. Besonders sinnvoll sind Literpreis oder ein rechnerischer 70-cl-Preis.
Sind 70 cl oder 1 Liter günstiger?
Das hängt vom konkreten Angebot ab. Eine 1-Liter-Flasche ist nicht automatisch günstiger, sollte aber anhand des Preises pro Liter beziehungsweise pro 70 cl verglichen werden.
Wie lange hält Gin nach dem Öffnen?
Gin ist durch seinen hohen Alkoholgehalt sehr stabil und bleibt gut verschlossen lange trinkbar. Über längere Zeit können jedoch besonders flüchtige Botanical- und Zitrusaromen schwächer werden.
Muss Gin nach dem Öffnen in den Kühlschrank?
Nein. Eine gut verschlossene Flasche kann aufrecht, dunkel und bei stabiler Raumtemperatur gelagert werden.
Fazit: Britischen Gin nicht nur nach Marke oder Preis auswählen
Britischer Gin reicht vom klassischen London Dry über Old Tom bis zu kräftigen Navy-Strength-Abfüllungen und modernen Botanical-Gins. Der wichtigste Unterschied beginnt bereits beim Etikett: Britische Herkunft und London-Dry-Herstellung sind zwei verschiedene Dinge.
Wer einen trockenen Gin für Martini, Negroni oder einen klassischen Gin Tonic sucht, findet bei London Dry eine gute Orientierung. Old Tom eignet sich für einen runderen historischen Stil, während Navy Strength besonders intensive Cocktails ermöglicht. Florale oder fruchtbetonte Gins sprechen wiederum Personen an, denen klassischer Wacholder zu dominant ist.
Beim Preisvergleich sollten Flaschengrösse, Alkoholstärke und konkrete Variante berücksichtigt werden. Ein 1-Liter-Gin darf nicht direkt mit einer 70-cl-Flasche verglichen werden, und ein Navy Strength ist ein anderes Produkt als die Standardabfüllung derselben Marke.
Die beste Auswahl entsteht deshalb aus vier Fragen: Welche Aromatik wird gesucht, welcher Drink ist geplant, wie kräftig soll der Gin sein und wie hoch ist der Preis auf dieselbe Flaschengrösse umgerechnet?
Quellen und weiterführende Informationen
- EUR-Lex – Verordnung (EU) 2019/787 über Spirituosen – Offizielle rechtliche Definitionen und Produktionsanforderungen für Gin, Distilled Gin und London Gin sowie Vorgaben zu Bezeichnung und Alkoholstärke.
- The Gin Guild – Gindex und Gin-Stile – Branchenübersicht zu traditionellen und modernen Gin-Stilen wie London Dry, Old Tom und Navy Strength sowie zu Gin-Produzenten und Botanicals.
- Hayman’s of London – Gin-Sortiment – Produzenteninformationen zu klassischen englischen Stilen wie London Dry Gin, Old Tom Gin und Royal Dock Navy Strength.
Alle Angaben ohne Gewähr – Trinken Sie Alkohol verantwortungsbewusst.